Dominic Deville – das Interview

deville

Der ehemalige Kindergärtner aus Kriens und Enfant terrible der Schweizer Comedyszene sorgt seit kurzem mit seiner Late-Night-Show «Deville» beim Schweizer Fernsehen für  geistreiche Unterhaltung. Wie ihm der Sprung von Luzerns Kleinbühnen vor die grossen Kameras gelang, verriet der erfolgreiche Entertainer im Interview. Zudem erzählte er, wo bei ihm der Spass aufhört, was ihm Luzern bedeutet und warum er manchmal auch ganz gerne schweigt.

Interview: Christina Noli / Foto: Mali Lazell

Places: Du trittst mit deiner Show «Deville» in die Fussstapfen von Giacobbo/Müller beim Schweizer Fernsehen. Gratulation!

Dominic Deville: Ja, das ist toll! Bis März wird «Deville» regelmässig im Fernsehen zu sehen sein. Nachdem das Programm in den letzten Jahren immer wieder in der Schwebe war, freue ich mich umso mehr über die Zusage. Mein Team und ich haben sehr lange darauf hingearbeitet.

Wo liegt denn der Unterschied zwischen Bühne und Fernsehen?

Wenn man auf einer Bühne steht, dann spielt man für die Leute im gleichen Raum. Im Fernsehen gibt es bei meiner Show zwar auch ein kleines Livepublikum, ich muss aber vor allem für die Menschen hinter der Kamera agieren. Das war am Anfang gar nicht so leicht. Da die Aufzeichnungen nicht live sind, kann ich aber auch mal etwas ausprobieren. Wenn es dann nicht funktioniert, lasse ich es einfach weg, und wir nehmen nochmals auf. Auf der Bühne geht das nicht.

Hast du noch Lampenfieber? Oder ein Beruhigungsritual?

Ach das gute alte Lampenfieber. (lacht) Das wird und soll eigentlich nie verschwinden. Es hilft, dass man voll kon- zentriert ist und alles andere daneben verblasst. Auf der Bühne ist das Lampen­­fieber aber stärker als im Fernsehen, da gibt es schliesslich keine Tricks oder Aufnahmewiederholungen.

Wie gehst du mit Kritik an dir und deiner Arbeit um?

Das kommt sehr darauf an, wer die Kritik äussert. Sind das Leute, denen ich vertraue, kann ich das gut annehmen und daran arbeiten. Sonst gebe ich mich ehrlich gesagt aber wenig mit Kritik ab. Ich höre auf mein Team, und wir machen zusammen genau das, was wir selbst auch lustig finden.

Vom Kindergärtner zum Come­dian – wie geht das?

Als Lehrperson ist man gewohnt, zwanzig Kinder bei der Stange zu halten, da muss man schon über ein gewisses Unterhaltungstalent verfügen. Mit Comedy angefangen habe ich dann irgendwann auf Kleinbühnen, wo ich regelmässig moderierte und dabei Geschichten aus meinem Berufsalltag einfliessen liess. So entstand eines Tages mein erstes Programm «Kinderschreck». Eigentlich bin ich aber nach wie vor ein Anfänger, ich mische erst seit drei vier Jahren überhaupt in der Szene mit.

Wo hört bei dir der Spass auf?

Bei meinem Privatleben. Meine Familie halte ich deshalb komplett aus dem Be­rufs­leben raus. Beruflich hingegen hört bei mir der Spass bei Humor auf, der keine Doppeldeutigkeit aufweist oder direkt unter die Gürtellinie zielt.

Inspirieren dich deine Kinder zu deinen Scherzen?

Nein, ich möchte da eine klare Trennung machen und meine Familie in meinen Programmen nicht zum Thema machen.

Du wirst als der Punk der Schweizer Comedians gehandelt. Warst du mal einer?

Ja, definitiv. Ich komme aus dieser Szene, höre die Musik und spiele noch immer in meiner Punkband Failed Teachers. In meinem Herzen bin ich wohl immer noch ein Punk. Die Nietenlederjacken sind zwar Vergangenheit, mein Leben lebe ich aber immer noch nach dem Punkanspruch. Das bedeutet, dass ich nur das mache, was mir gefällt, und mich von nichts und niemandem aufhalten lasse.

Wie kann man dich zum schwei­gen bringen?

Da ich in meinem Beruf die ganze Zeit rede, schweige ich auch sehr gerne ab und zu. Wenn ich eingeladen bin und andere das Gespräch bestreiten, lehne ich mich zurück und geniesse es. Wenn die Unterhaltung aber einschläft und ich mich zu langweilen beginne, dann bin ich auch gerne der Unterhalter.

Du bist in der Nähe von Luzern aufgewachsen. Was bedeutet dir die Stadt? 

Ach ja, Luzern. (seufzt) Obwohl ich die vielen kreativen Leute da bewundere, war Luzern für mich schon immer ein bisschen zu klein und zu perfekt. Wie eine Wundertraumstadt. Daraus entsteht wohl auch so eine Art Sättigungsgefühl bei den Bewohnern, sodass viele gar nicht das Bedürfnis haben, etwas Neues anzuschieben. Ich bin vor etwa sieben Jahren weggezogen, zuerst nach Berlin und dann nach Zürich. Nach wie vor bin ich aber oft in der Gegend, meine Eltern, Brüder und viele Freunde wohnen ja noch da. Und ich besuche regelmässig das Kleintheater Luzern. Dieses spielte, genau wie das Kulturzentrum Sedel, für meine Karriere eine sehr wichtige Rolle.

Wo gehst du denn heute hin, wenn du in Luzern bist?

Meist zu Freunden nach Hause. Oder in den Südpol. Und natürlich ist das Verkehrshaus mit den Kindern Pflichtprogramm.

Auf was darf man neben «Deville» sonst noch gespannt sein?

Ich darf ein Buch schreiben, bei dem aber noch nicht ganz klar ist, in welche Richtung es gehen wird. Ausserdem bin ich mit meiner Musik unterwegs und habe neben der Band noch ein kleines Undergroundlabel. Und zu Weihnachten kommt mein unheimliches Kartenspiel «Kontakt» heraus. Aber all das ist im Moment der Arbeit für das Schweizer Fernsehen untergeordnet.

dominicdeville.ch

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