Süsse Versuchung fürs gute Karma

Kakaobauern, die im Verwaltungsrat sitzen und den Preis für ihre Bohnen selbst bestimmen? Was revolutionär klingt, ist es auch. Das soziale Schweizer Start-up Choba Choba hat gemeinsam mit peruanischen Bauernfamilien die Schokoladenrevolution ausgerufen und möchte mit seinen fair produzierten Leckereien die Kakaoindustrie von Bern aus nachhaltig verändern.

Redaktion: Christina Noli

Das Konzept von Choba Choba ist weltweit einzigartig: Die beiden Gründer Christoph Inauen und Eric Garnier haben gemeinsam mit 35 peruanischen Bauernfamilien aus dem Alto-Huayabamba-Tal 2015 ein neuartiges Geschäftsmodell geschaffen, bei dem die Kakaobauern an der Firma, an den Entscheidungsprozessen sowie am Gewinn beteiligt sind. Inauen aus Basel und Garnier aus Paris verfügen beide über langjährige Erfahrung in der Kakaobranche und haben sich während ihrer Arbeit für diverse Fairtrade Unternehmen in Peru kennen gelernt. Dort im peruanischen Amazonas ist während einer ihrer vielen Reisen die Idee für Choba Choba entstanden. In einer Zeit, in der zwei Drittel des globalen Schokoladenbusiness nur drei Firmen gehört, die Farmer aber im Vergleich zu den 80er-Jahren nur noch die Hälfte verdienen, muss laut den Gründern umgedacht werden. Deshalb wollen die beiden exklusiven Schokoladengenuss mit gutem Gewissen verbinden. Denn dass bei einem Preis von zwei Franken pro Tafel die Bauern nicht mehr viel vom fetten Kuchen abbekommen, kann sich jeder selber ausrechnen. Es müsse endlich etwas passieren, so Inauen, denn all die Zertifikate seien zwar schön und gut, spielten aber vor allem den Multis und nicht den Bauern in die Hände, während der Kakaopreis weiter sinke. «Deshalb war es uns sehr wichtig, dass die Bauern bei Choba Choba den Preis selber festlegen können und genau wissen, was mit ihren Bohnen geschieht.», so Inauen. Eine unglaublich erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne später – es kamen über 100’000 Franken zusammen – ist der Traum Realität geworden: Exklusiv für Choba Choba werden

nun seltene und vergessene Kakaosorten im Alto-Huayabamba-Tal angebaut, die Gründer und die Bauern kennen sich seit Jahren persönlich, es herrscht ein Vertrauensverhältnis. Der Name Choba Choba – Quechua für: «Du hilfst mir, ich helfe dir» – ist Programm.

FAIR, SELBSTBESTIMMT UND ZUKUNFTSORIENTIERT
Der Ausdruck Choba Choba geht zurück auf die 90er-Jahre, als im Alto-Huayabamba-Tal noch vorwiegend Koka angebaut wurde. Als die UNO damals Kakao einführte, begann für die Bauern eine harte Zeit, da abgesehen vom geringeren Preis für Kakao die Bäume erst nach ungefähr drei Jahren zum ersten Mal Früchte trugen. So mussten sich alle gegenseitig aushelfen, denn sonst wären sie untergegangen. Heute ist dies nicht anders: Charito, Oswaldo und all die anderen Bewohner helfen sich nach wie vor, nur dass es ihnen dank Choba Choba besser geht und sie ein kleines, aber gesichertes Einkommen haben. Die 35 peruanischen Bauernfamilien sind nicht nur die Lieferanten der Kakaobohnen, sie sitzen im Verwaltungsrat von Choba Choba und sind Aktionäre der Firma, während der Preis für ihre Bohnen spekulationsfrei und nicht an die Rohstoffbörse gebunden ist. Und – die Peruaner sind mit 4 Prozent pro verkaufte Tafel am Gewinn beteiligt. Dieser wird je nach Wunsch in bar oder als Firmenaktien ausbezahlt. Das langfristige Ziel der beiden Gründer ist es, dass die Bauern eines Tages 51 Prozent der Firma besitzen und so die Zukunft sowohl der Familien wie auch die der bedrohten Ökosysteme im peruanischen Amazonas gesichert ist. Eine sehr ehrbare Absicht, wenn man bedenkt, dass im Firmensitz in Bern zurzeit zehn Mitarbeiter für das Start-up arbeiten – und zwar gratis. Laut Inauen sollen aber ab 2017 allen normale Löhne bezahlt werden können.

EINE FARM, EINE FAMILIE, EINE SORTE

Die Kakaobohnen gelangen als Rohprodukt direkt in die Schweiz, wo sie vom renommierten Schweizer Schokoladenhersteller Felchlin in feinste dunkle Schokolade verarbeitet werden. Beigemischt werden ausschliesslich biologische Kakaobutter und biologischer Rohrzucker, auf künstliche Inhaltsstoffe wird bewusst verzichtet. So können sich die verschiedenen Geschmäcker des Kakao entfalten. Bis anhin wird jeweils nur eine einzige Bohnensorte von einem Familienbetrieb verarbeitet, was jede Produktion einzigartig macht und somit die grosse Vielfalt der verschiedenen Sorten erhalten bleibt. Der Name der Familie ziert denn auch die hübschen Verpackungen, die im Abo bestellt alle zwei Monate als neue Schokoladentrilogie inklusive Hintergrundgeschichten im Briefkasten landen – Kostenpunkt: 175 Franken pro Jahr. Nicht unbedingt ein Schnäppchen, doch Fairness und Qualität haben schliesslich ihren Preis. Und wer kann schon behaupten, dass er seinen Kakaobauern mit Namen kennt? Natürlich kann man die «Charito»- oder «Oswaldo»-Tafeln auch einzeln bestellen. Mit der Namensgebung, genauso wie mit den Geschichten zu den einzelnen Familien, soll laut den Choba-Choba-Gründern zwischen Konsument und Produzent ein Vertrauensverhältnis wie zum Bio-Bauern um die Ecke entstehen. Diesen Herbst flogen die beiden Choba-Choba-Jungs sogar drei «ihrer» Bauern in die Schweiz ein, die bei Events interessierten Kunden Rede und Antwort standen. Persönlicher geht wirklich nicht. Im November wurde zudem eine permanente Linie mit Bohnen von allen Familien lanciert und für das Weihnachtsgeschäft Geschenkschachteln mit Mini-Täfelchen produziert. Man darf also auch weiterhin gespannt bleiben, mit welchen Überraschungen die beiden Gründer noch aufwarten – schliesslich haben sie auch nichts Geringeres vor, als die Kakaoindustrie zu revolutionieren.

chobachoba.com

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