Der kleine Big Boss – Jason Wu im Interview

Bühne frei für den Tausendsassa Jason Wu! Der sympathische Modedesigner mit taiwanesischen Wurzeln ist Branchenkennern seit vielen Jahren ein Begriff, erlebte aber seinen Durchbruch als er Michelle Obama für den Amtsantritt ihres Mannes einkleiden durfte. Seit 2013 verantwortlich für die Boss-Damenlinie, reist Wu zurzeit regelmässig ins Headquarter der deutschen Marke, wo er gekonnt seine feminine Handschrift mit der starken DNA des Traditionshauses vereint. Uns hat er erzählt, wie alles begonnen hat, was ihn an seinem deutschen Arbeitgeber beeindruckt und wie er sich gefühlt hat, als er ein Kleid für die First Lady entwerfen durfte. 

Interview: Christina Noli

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PLACES: Erinnerst du dich daran, was du als Erstes genäht hast? 

Jason Wu: Ich habe als kleines Kind von meiner Mutter eine Nähmaschine bekommen. Damals habe ich Puppen als Models verwendet und Kleider für sie genäht. Das war rückblickend sehr lehrreich, denn so habe ich von Anfang an verstanden, wie wichtig Details sind.

Wieso wolltest du Designer werden?

Ich wusste  bereits sehr früh, dass mein Weg in Richtung Modedesigner gehen soll – dieser Job hat mich schon immer fasziniert. Es ist eine sehr spezielle Arbeit, da jeder Tag anders ist. Ich liebe es, meine täglichen Inspi­rationen gleich zu Papier zu bringen. Das Beste daran, Designer zu sein, sind aber die spannenden Leute, die ich treffen und einkleiden darf.
Du bist seit 2013 bei Hugo Boss für die Boss-Womenswear-Kollektion zuständig. Wie beschreibst du die DNA dieser Linie?

Ich designe kraftvolle, selbstbewusste und verführe­rische Kleider. Dies sind die Markenzeichen von Boss – und waren es auch schon immer.

Die Kreationen für dein eigenes Label sind feminin und verspielt, die Handschrift des deutschen Hauses gilt eher als streng und minimalistisch. Wie funktioniert das für dich?

Ich liebe die Idee dieser Gegensätze! Es ist sehr interessant, mich am Erbe des Hauses zu orientieren und auch Elemente wie Manschetten aus der Herrenmode zu verwenden. Mein Ziel ist es dann, diese Elemente in die Damenkollektion zu übersetzen, denn das ist die Essenz meiner Entwürfe: formale und gerade Linien, die auf weiche und feminine Formen treffen.

Bei deinem eigenen Label geniesst du viele Freiheiten. War es schwierig, sich in ein traditionelles Unternehmen einzufügen?

Nein, überhaupt nicht. Ich wurde mit offenen Armen empfangen, habe Zugang zu allen Archiven. Ausserdem war und bin ich begeistert von dem grossen Schneidereiwissen, das Hugo Boss ausmacht!

Wie oft arbeitest du im Hauptsitz im deutschen Metzingen?

Ich bin jeden Monat ein bis zwei Wochen in Deutschland und arbeite da mit dem ganzen Boss-Womenswear-Kreativteam.

Was magst du an Deutschland?

Die Landschaft ist unglaublich! Mein erster Besuch in Metzingen hat mich sehr beeindruckt. Ausserdem war ich begeistert von der minimalen Glas-und-Stahl-Architektur des Gebäudes, die so sehr im Kontrast zu der weichen und hügeligen Landschaft und den Bauernhöfen rundherum steht.

Die Modewelt befindet sich gerade im Wandel, wie siehst du die Zukunft der Branche?

Für mich wird es immer in erster Linie um die Kleider gehen. Ich kreiere Ready-to-Wear-Kollektionen, die auf der ganzen Welt verkauft werden sollen. Genau deshalb möchte ich, dass sie beeindruckend und wunderschön sind – das wird auch in Zukunft das Wichtigste sein für mich.

Du durftest schon zweimal die First Lady Michelle Obama für offizielle Anlässe ein-kleiden. Was hat das für dich bedeutet?

Unglaublich viel! Es ist schwierig, zu beschreiben, was das für ein Gefühl war: Ich war nervös und musste  bei der Kreation auf mein Bauchgefühl hören und nur an die Frau im Kleid denken, und nicht daran, wer sie war. Auf jeden Fall war das einer der wichtigsten Momente meiner Karriere!

Was tust du denn, um dich von dem Modezirkus zu erholen?

Ich liebe es zu reisen oder treffe mich mit Freunden in New York zum Dinner.


Kreatives Supertalent

Bereits viele Jahre vor der Gründung seines eigenen Labels 2007 war für Jason Wu klar, dass er Designer werden wollte. In der Schule fühlte er sich weder in Amerika noch später, als seine Familie nach Kanada auswanderte, wirklich wohl. Er las Modemagazine, sammelte Puppen und – nähte Puppenkleider. Später sogar professionell. Er studierte an der Parsons Design School in New York und debütierte mit seiner ersten Ready-to-Wear-Kollektion 2006. Bezahlt hat er diese Produktion aus Ersparnissen des Puppenkleiderdesigns. Bereits mit seiner ersten Kollektion gewann Wu Preise.  Ausserdem waren die «Vogue»- Urgesteine André Leon Talley und Anna Wintour Fans der ersten Stunde und machten den Designer damals mit Michelle Obama bekannt. 2009 sorgte die First Lady bei der Amtseinführung ihres Mannes in einer Jason-Wu-Robe weltweit für Aufsehen. Es folgten weitere Preise, viele Promi-Freunde und 2013 das Angebot von Hugo Boss, die Boss-Damenkollektion zu kreieren. Der bescheidene Wu integrierte sich gekonnt in das deutsche Unternehmen, übernahm seit Beginn nach und nach noch mehr Verantwortung und hat heute mit 34 Jahren bereits mehr erreicht als viele in einem ganzen Leben. Privat lebt Wu mit seinem Partner in New York, den er dieses Frühjahr geheiratet hat.

jasonwustudio.com

hugoboss.com

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