Kuratiert und engagiert: Republica Austral

Der Süden von Lateinamerika bietet mehr als tropische Sandstrände und feurige Rhythmen. Das beweisen zwei Westschweizer mit dem Designkonglomerat Republica Austral und bringen erstmals hochwertiges Design aus der Region dauerhaft nach Europa.

Lange haben sie die Designszene in Chile, Argentinien und Uruguay aus persönlichem Interesse mitverfolgt und kennen gelernt, bevor aus der Leidenschaft ein geschäftliches Projekt wurde. Das Ziel von Regula Brand und ihrem Mann Claudio Riquelme mit ihrer im Herbst 2016 gegründeten Firma Republica Austral ist klar: das Schaffen eines Konglomerats für Designobjekte aus dem südlichen Südamerika, um diese auch hierzulande bekannt zu machen. Dass australes Design international mithalten kann, davon sind die beiden Gründer überzeugt. Als Architekt mit chilenischen Wurzeln kennt Claudio Riquelme beide Welten und weiss, wie schwer es Kreative aus dieser Region in Europa haben. Nicht, um beachtet zu werden, das ist dank Qualitätsdesign kein Problem. Die Schwierigkeit: ohne Netzwerk und Kenntnis des hiesigen Marktes längerfristig im Gespräch zu bleiben. Bestes Beispiel ist der Republica-Austral-Designer Matias Ruiz: Seine «Stick Lamp» wurde 2013 an der Milan Design Week mit dem Ehrenpreis für Beleuchtung prämiert. Aufgrund des fehlenden Netzwerks ist der Designer – und seine preisgekrönte Kreation ebenfalls – danach wieder in der Versenkung verschwunden. Ähnlich ging es dem chilenischen Designer Rodrigo Bravo: 2013 von der englischen «Elle» zu einem der fünf vielversprechendsten Jungdesigner weltweit gekürt, wurde sein Schaffen danach zwar in seiner Heimat Chile beachtet, hier geriet er aber wieder in Vergessenheit. Der dritte Kreative im Portfolio von Republica Austral, Abel Carcamo, erregte mit seinen Objekten ebenfalls an zahlreichen Ausstellungen sowie an der Milan Design Week Aufmerksamkeit. AUSTRALES DESIGN: DIE GROSSE UNBEKANNTE Während skandinavisches Design mittlerweile wohl jedem ein Begriff sein dürfte, sind südamerikanische Kreationen hierzulande praktisch unbekannt. Wie Regula Brand erzählt, sind die Gründe vielfältig: «Obwohl Chile designtechnisch einiges zu bieten hat, ist die Szene verhältnismässig klein, die Kaufkraft geringer als bei uns. Zudem fehlt ein Designbewusstsein bei der Bevölkerung.» Gutbetuchte würden weniger auf Lokales, sondern mehr auf international renommierte Marken setzen. An erster Stelle stehe in Südamerika die Herstellung und das Handwerk, wie das Produkt schlussendlich zum Kunden komme, sei oft zweitrangig, erklärt die Szenekennerin. Während bei uns ganze Marketing- und Kommunikationsteams dafür sorgten, dass Design auch seine verdiente Beachtung bekomme, fehle das in südamerikanischen Ländern. «Das designaffine Europa ist der wichtigste Markt für diese Kreativen. Ohne Kenntnis der hiesigen Szene und unserer Arbeitsweise sind die Designer aber praktisch chancenlos», so Regula Brand. Auf die Frage, wieso noch niemand vor ihnen auf die Idee gekommen sei, australes Design in Europa permanent zu vermarkten, weiss sie auch keine klare Antwort. Die Entfernung sowie die Sprachbarriere seien sicher zwei wichtige Gründe. «Wir sprechen vier Sprachen, kennen beide Märkte und Szenen, was vieles natürlich sehr erleichtert. Ich glaube, es ist für ein solches Projekt einfach unerlässlich, zu verstehen, wie die Leute ticken.» Deshalb ist es den beiden Gründern sehr wichtig, die Designer persönlich zu kennen, ihre Denkweise zu verstehen und ihnen auch in vielen Bereichen beratend zur Seite zu stehen. Als Brancheninsider können sie bei diversen Architektur- und Innenarchitekturprojekten die Objekte hierzulande in Restaurants oder Cafés bekannt machen und in Szene setzen. Privatkunden können alle Designobjekte im hübschen Ladenlokal in Lausanne auch in natura begutachten.

Tradition neu interpretiert
Australes Design ist geprägt von lokalen Materialien wie Kupfer – Chile ist der grösste Kupferexporteur der Welt –, Bronze und natürlich dem in Patagonien wachsenden und äusserst robusten Lengaholz. Alle Objekte werden zu 100 Prozent im Ursprungsland hergestellt, denn die Verarbeitung dieser Rohstoffe schaut in Chile, Uruguay und Argentinien auf eine lange Handwerkstradition zurück. «Für uns ist es sehr wichtig, dem australen Design eine eigene Identität zu geben. Wir suchen schnörkelloses, geradliniges Design, das Tradition mit Moderne verbindet. Die Qualität muss höchsten Anforderungen genügen, denn die Produkte müssen ja hier in Europa konkurrenzfähig sein.» So sollen die Objekte überraschen und eine eigene Form- und Materialsprache sprechen. Wie beispielsweise der Sessel «M 100» von Matias Ruiz, der aus einem Kupfergestell und ganzen 90 Meter halbelastischer Kordel gefertigt ist. Die Materialwahl sei insofern spannend, als Kupfer bis anhin vor allem für den Einsatz in Leuchten bekannt sei. «Diese neue Generation von Designern haucht den traditionellen Materialien ein zweites Leben ein», führt Regula Brand aus. In Zukunft würden auch Glas und Stein ein Thema in ihrem Sortiment sein. Allerdings wird dieses sehr langsam und sehr bewusst vergrössert. «Wir möchten keine Designer-Durchlauf- Plattform sein, sondern unser Sortiment klein und fein halten», so Brand. Als Nächstes stehen bei Republica Austral Argentinien und dessen Design-Perlen auf dem Programm. Doch mehr als zehn Designer dürfe man in ihrem Sortiment nicht erwarten, schliesslich sollen die Qualität und der persönliche Kontakt weiterhin im Vordergrund stehen. Für die zweite Jahreshälfte sind Ausstellungen in Zürich geplant, nächstes Jahr soll Europa folgen – alles Schritt für Schritt. Schliesslich ist es in einer Zeit mit schnelllebigen Trends und riesigen digitalen Informationsfluten wichtig, zu wissen, wo man hinwill. Und eben auch in welchem Tempo.

republicaaustral.com

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