Da braut sich was zusammen

Trotz anfänglicher Kritik und Skepsis haben die Gründer Philip Bucher und Jörg Schönberg mit ihrem Chopfab den Schweizer Biermarkt und die Herzen der Bierliebhaber in Windeseile erobert. Verdanken tun die beiden Unternehmer dies nicht nur ihrem fabelhaften Gebräu, sondern auch ihrer intelligenten Marketingstrategie und einer Menge Mut.

Text: Leila Alder

Der Name, welcher Bezug nimmt auf die Stadtheiligen von Zürich und Winterthur, die einst in grauer Vorzeit geköpft wurden, brennt sich ins Gedächtnis. Die Biere mit dem ungewöhnlichen Namen, in den minimalistischen Dosen sind nicht mehr aus Einkaufsregalen und Feierabend-Apéros wegzudenken. Ihren Anfang nimmt die Geschichte von «Chopfab» 2012 in Winterthur. Bis dahin kannte man in der Schweiz hauptsächlich das Lagerbier. Das Craft-Bier, das sich bereits in vielen Ländern einer zunehmenden Beliebtheit erfreut und zudem das profitabelste Segment im Biermarkt darstellt, war bis dato hierzulande eher unbekannt. Der Schweizer Biermarkt war bis 1991 im Rahmen eines offiziellen Vertrags unter den Brauereien aufgeteilt. Darunter litten Qualität und in erster Linie die Vielfalt der Schweizer Gerstensäfte. Wer ein würziges, kräftiges, fruchtiges Bier geniessen wollte, musste auf kostspielige Importprodukte zurückgreifen oder auf den nächsten Belgien-Urlaub warten. Diese Lücke im Schweizer Markt erkannten Philip Bucher und Jörg Schönberger. Die beiden Unternehmer mit kaufmännisch-betriebswirtschaftlichem Hintergrund sind Quereinsteiger. Eine grosse Ahnung vom Brauen hatten sie nicht, dafür eine riesige Leidenschaft für herausragendes Bier. Diese war Ansporn genug, ihren Bürojob an den Nagel zu hängen, eine eigene Bierproduktion zu starten und sich damit einen lange gehegten Jugendwunsch zu erfüllen. Der Mut hat sich ausgezahlt. Das «Chopfab» eroberte den Schweizer Markt im Nu. Verantwortlich dafür war nebst dem einzigartigen und ungewohnten Geschmack nicht zuletzt das intelligente Geschäftsmodell. Damit gelang es dem Unternehmen nämlich zwei grosse Schweizer Banken zu überzeugen, und mit Hilfe deren Kredite 2013 die Produktion zu starten. 2014 kam dann der grosse Durchbruch: Der Schweizer Einzelhandelsriese Coop nahm das Bier in sein Sortiment auf. Bald schon regnete es Auszeichnungen für das «Chopfab» in den stylischen schwarzen Dosen – das bestverkaufte Bier bei mehreren Detailhändlern – sogar über die Kantonsgrenze hinaus. Es schien als habe die Schweiz auf eine Bierrevolution gewartet. Dass der neue Durstlöscher auch noch aus der Region stammte, begeisterte umso mehr. Solch ein unerwarteter Erfolg birgt jedoch auch Risiken. So stiess das junge Unternehmen mit ihrer Doppelleu-Brauerei bereits im zweiten Jahr an die Kapazitätsgrenze. Es musste Geld her, die Brauerei vergrössert werden. Das Swiss Economic Forum war Retter in der Not und verlieh Doppelleu das heissbegehrte Qualitätssiegel «SEF. High Potential». Diese Auszeichnung öffnete Türen zu einem weiteren Finanzierungspaket, um die Produktion auszubauen. Die Hürde war genommen, das Wachstumstempo sprach Bände: ein grosses Plus im Jahr 2015, im darauf folgenden Jahr dasselbe. Es war an der Zeit für den nächsten grossen Schritt: ein Aktientausch mit der einzigen verbliebenen unabhängigen Brauerei der Westschweiz Bière du Boxer S.A. Durch den Zusammenschluss entwickelt sich nun die Doppelleu Brauwerkstatt AG ab 2018 zur einzigen national verankerten unabhängigen Brauerei der Schweiz. Dass sich ein erfolgreiches Unternehmen nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen soll, ist auch Bucher und Schönberger klar. Deshalb erweitert Doppelleu sein Sortiment stetig. Neuster Zuwachs ist unter anderem das «Chopfab Bleifrei». Ein lang ersehntes alkoholfreies Pale Ale. Es überzeugt mit einer typisch eleganten Hopfenaromatik und gliedert sich mit weniger als 0,5 Volumenprozent Alkohol in die gängige Definition des alkoholfreien Bieres. Jüngstes Mitglied der Doppelleu-Familie ist nun die Limited Edition mit dem Namen «Fresh Hop Tripel». Ein Belgian Tripel, das im Gegensatz zum «Chopfab Bleifrei», einen höheren Alkoholgehalt als herkömmliches Bier hat. Das Doppelleu Belgian Triple erfreut sich mit seinem frischen, fruchtigen Geschmack bereits grosser Beliebtheit unter Bierliebhabern. Den beiden Vordenkenern ist es also nicht nur gelungen, ein grossartiges Produkt auf den Markt zu bringen und die Schweizer Bierszene aufzumischen, sondern sich einen ganz persönlichen Lebenstraum zu erfüllen. Somit dürfte auch für alle Zweifler klar sein: Die Erfolgsstory von Philip Bucher, Jörg Schönberger und ihrem mittlerweile über 40-köpfigen Team ist noch nicht zu Ende geschrieben.

dopelleu.ch

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